Wie eine Lehmwand entsteht

Wie eine Lehmwand entsteht

Nicht immer denkt man automatisch bei der Gestaltung seiner Räume an Lehm. In diesem Fall jedoch entwickelten Bauherr und Architekt die Idee, in dem großen Ess-/Küchenbereich in Langenfeld bei Leverkusen diese raumbeherr-schende Wand hervorzuheben. Eigentlich ist das ganze Haus klassisch gespachtelt, mit Vlies beklebt und mit Disper-sionsfarbe gestrichen. Doch diese Wand sollte anders werden.

So kam man auf mich und meinen Betrieb mit dem Wunsch zu, diese Wand mit Lehm zu gestalten. Da es sich um einen Neubau handelte, musste die Wand vorher mit einem Lehmunterputz verputzt werden. Außerdem sollte die Oberfläche einen Farbton haben, der ähnlich den Fensterrahmen war.

Gemeinsam entschieden sich der Kunde und der Architekt für den Lehmdekorspachtel Yosima von Claytec. So konnten wir beginnen, einen Farbton zu entwickeln und Muster für die Oberflächenqualität zu erstellen.

Einen Farbton herzustellen, ist dabei gar nicht so einfach, da man es hier nicht wie bei normalen Farben mit einer Flüssigkeit zu tun hat, wo man ein paar Tropfen zugibt, umrührt und man sieht den Farbton. Der Lehmspachtel Yosima ist ein Pulver, hat ein beschränktes Farbenspektrum und man sieht den Farbton erst, wenn das Material ange-rührt, aufgetragen und getrocknet ist.

Es mussten schon ein paar Musterplatten erstellt werden, bevor der endgültige Farbton endlich stand. Doch Bauherr und Architekt waren begeistert und entschieden sich für eine hochverdichtete und glatte Oberfläche.

So konnte es im Februar 2013 losgehen. Kurz nachdem die regulären Gipsputze aufgebracht und halbwegs getrock-net waren, konnten wir beginnen.

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Die Wand vor Beginn der Arbeiten.

Der Untergrund war schon eine kleine Herausforderung für uns. Wir sind ja „nur“ Maler und hatten zu diesem Zeit-punkt noch nicht soviel Erfahrung mit solchen Arbeiten. Und das Mischmauerwerk, der Kamin mit seinen Temperaturschwankungen und die milimetergenauen Anschlüsse an die Kühl– und Weinschränke machten uns schon einige Sorgen. Gerade die möglichen Rissbildungen in den Anschlüssen zum Kamin sind immer ein Risiko. Mehr dazu im späteren Verlauf.

Zuerst trugen wir eine mineralische Putzgrundierung auf die Steine auf, damit der Unterputz anschließend entsprechend halten konnte. Dieses spezielle Produkt bildet eine feste Verbindung mit dem Untergrund, so dass ihr auch eine wochenlange Feuchteeinwirkung (es dauert z.T. 3-4 Wochen bevor der Putz ausgetrockent ist, je nach Rahmenbedingungen) nichts anhaben kann. Die Putzgrundierung ist mineralisch und blockiert auch nicht den Feuchtetransport durch das Mauerwerk.

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Die Wand ist mit einer speziellen mineralischen Grundierung vorgestrichen.

Damit alle Ecken schön gerade und lotrecht sind, mussten anschließend Eckschienen montiert werden. Hier musste man gerade beim Anschluss an den Kamin sehr genau arbeiten. Die Eckschienen werden auch dafür benötigt, die Schichtstärke des Unterputzes anzupassen.





Wenn alle Eckschienen fest montiert sind, kann die eigentliche Arbeit beginnen, das Auftragen des Lehmunterputzes. Da die Wand ca. 50 m2 groß war, war der Einsatz einer Putzmaschine nicht praktikabel. Die ganze Zeit für Aufbau, Reinigung und Abbau dauert länger, als die Zeit, die eingespart werden kann.

So musste der Lehm mit der Hand aufgetragen werden. Dafür kommt das Material in 30 kg-Säcken auf die Baustelle und wird dort dann maschinell angerührt. Nachdem der Lehm richtig angequollen war, wird er mit Kelle und Glätter aufgetragen und geebnet.

Natürlich fällt auch mal das ein oder andere vom Glätter, so dass man auch schnell mal aussieht wie eine kleiner „Drecksspatz“. Das gute ist aber, dass Lehm nicht aggressiv ist und einfach ausgewaschen werden kann.

Was die Verarbeitung auch sehr angenehm macht, ist die Tatsache, dass er nicht wie Gips– oder Kalkputze erhärtet. In diesem Prozess findet eine natürlich chemische Reaktion statt, die zur Erhärtung des Putzes führt. Dieser kann auch nicht durch Wasserzugabe verlangsamt werden. Wenn man während der Erhärtungsphase Wasser zugibt, sinkt die Qualität des Putzes massiv.

Dies ist bei einem Lehmputz ganz anders Dieser trocknet ausschließlich physikalisch, d.h. es verdunstet das Wasser und die Teile des Putzes verbinden sich zu einer Masse. Wenn man also eine große Fläche bearbeitet und man kommt in Zeitnot, kann man einfach etwas Wasser zumengen oder auf die Fläche geben, um den Trocknungsprozess zu verlangsamen. So kann man angemachtes Restmaterial gut auch am nächsten Tag weiter verarbeiten.

Sobald der Putz aufgetragen ist, wird die Fläche mit Putzlatten abgezogen und eingeebnet, so dass eine gerade Fläche entsteht.

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Zu Beginn des Berichtes bin ich ja schon einmal auf die Gefahren einer möglichen Rissbildung, vor allem im Bereich des Kamins eingegangen. Diese Gefahr ist immer sehr groß, wenn vor allem unterschiedliche Materialien zum Ein-satz kommen und im Falle des Kamins auch noch Wärmeschwankungen dazu kommen.

Leider akzeptieren die wenigsten Kunden Rissbildungen in ihren Oberflächen. So gehen wir immer ein großes Risiko ein, wenn solche Konstellationen bearbeitet werden sollen.

Grundsätzlich betten wir immer ein Gewebe in den Putz ein. In dem Fall war es ein Glasseidengewebe, dass auch in der Wärmedämmung zum Einsatz kommt. Vielleicht stutzt hier der ein oder andere, da hier eher ein ökologisches Material erwartet wird. Dieser Gedanke ist natürlich richtig, doch muss man wissen, dass zu diesem Zeitpunkt nur ein Jutegewebe als Armierung zur Verfügung stand. Und wer schon einmal versucht hat ein Jutegewebe großflächig in einen Lehmputz einzubetten, der weiß, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind. Das Gewebe zieht sich relativ schnell mit dem Putzwasser voll, wiegt danach gefühlt mehrere Kilo pro Quadratmeter und macht Probleme sich mit dem Putz zu verbinden. In einer Schulung habe ich erlebt, wie so eine 2,50 m lange Gewebebahn sich aus dem Putz gelöst hat und zu Boden viel. Hier kann sich jeder gut vorstellen, warum nun ein modernes Glasseidenge-webe zum Einsatz kommt. Mittlerweile gibt es ein Flachsgewebe mit guten Eigenschaften, nur leider hat dies auch einen 4x höheren Preis. Wer also lieber konsequent mit natürlichen Produkten arbeiten möchte, findet hier eine Lösung. Wobei ich finde, das der ökologische Unterschied nicht so gravierend ist.

Um die Problematik der Übergänge am Kamin zu lösen, haben wir das Gewebe in drei Schichten eingebettet, so dass wir auch bis heute keine Rissbildungen in diesem Bereich vorfinden.

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Man erkennt sehr schön das eingebettete Arierungsgewebe.

Wenn der Unterputz aufgetragen und geebnet ist, muss er nun erst einmal trocknen, bevor er weiter bearbeitet werden kann. Meistens führen wir Lehmputze immer zweilagig aus, d.h. zuerst eine dickere Schicht Unterputz und anschließend eine dünnere Schicht Lehmfeinputz. Dies ist nötig, das die Lehmunterputze immer gröber sind. Sie enthalten gröbere Sande und z. T. auch Strohfasern. Dies benötigen sie, damit er in den größeren Schichtstärken aufgetragen werden kann. Dadurch lassen sich aber auch nicht so glatte Oberflächen herstellen. Wenn man z. B. den Lehmunterputz nur streichen möchte, könnte man die Fläche filzen, wobei die Strohfasern etwas hervorste-hen. Wenn man eine solche Fläche streicht , sieht sie fast wie eine Rauhfasertapete aus.

Da wir in unserem Fall jedoch den Lehmspachtel Yosima als Schlußbeschichtung auftragen wollen, benötigen wir einen ganz ebenen Untergrund. Kleinste Unebenheiten führen schon zu Strukturunterschieden. Aus diesem Grund haben wir dann noch eine Schicht Lehmfeinputz aufgetragen und geglättet.

Da auch hierbei leichte Unebenheiten entstehen können, ist der Lehmfeinputz anschließend nach seiner Trocknung noch rabottiert worden. Das hört sich jetzt wahrscheinlich gefährlich an, ist es aber gar nicht. Rabottieren bedeutet einfach, das mit einem speziellen Rabottierbrett, das aussieht wie ein ausgeschnittenes Kellergitter über die Fläche gerieben wird, wobei Erhöhungen abgeschabt werden. Heute machen wir die mit einer speziellen Maschine, wodurch dieser Arbeitsschritt schneller und effektiver ausgeführt wird.

Der Untergrund ist nun vorbereitet, so dass die letzte Schicht, der Lehmdesignspachtel, in diesem Fall das Produkt Yosima der Firma Claytec ausgeführt werden kann.

Yosima ist ein sehr feines Produkt, dass in einer Schichtstärke von ca. 2-3 mm aufgetragen wird. Der Spachtel wird in Pulverform auf die Baustelle gebracht und dort mit Wasser angemischt. Es ist Teil des ökologischen Konzeptes dieser Produkte, dass man nicht Wasser, was überall in Deutschland verfügbar ist, mit hohem Energieaufwand durch die Gegend fährt.

Der Farbton ist in dem Moment schon gemischt. Dies geschieht in enger Kooperation mit unserem Händler oder wie in diesem Fall mischen wir den Farbton grammgenau aus den vorhandenen Basisfarbtönen.

Wie ich schon zu beginn erzählte, haben wir in diesem Fall einen ganz neuen Farbton gemischt. Hier ist die genaue Rezeptur natürlich von großer Bedeutung, um später eventuell einmal Material nachzumischen.

Das besondere an Yosima sind die feinen Lehme, die ausschließlich aus Tongruben weltweit kommen. Im werden keine Pigmente beigemischt. Dadurch lässt sich der Spachtel auch sehr fein bearbeiten, so dass sehr feine Oberflä-chen entstehen.

Bei unserem Projekt haben wir uns noch zu nutze gemacht, dass wir keinen Zeitdruck hatten und es sich um einen Neubau handelte.

Wir haben unseren Yosima-Spachtel in der vorhin schon beschriebenen Schichtstärke aufgetragen und dann mit Japanischen Lehmglättern verdichtet. Dies geschieht während der Trocknung des Materials.

Normalerweise sind wir nun nach einem Tag fertig und polieren nach Trocknung die Fläche vielleicht noch einmal oder bearbeiten sie mit einem Kaseinwasser. Hier jedoch haben wir die Oberfläche weitere 3 Wochen immer wie-der mal bearbeitet. Dabei haben wir feine Tonbestandteile angelöst und erneut verdichtet. Dadurch wurde die Glätte erhöht und die Oberfläche bekommt eine interessantere Tiefe. Durch die Verdichtung werden auch die feinen Quarzbestandteile stellenweise freigelegt, so dass es zu Reflexen kommt. Nicht aufdringlich oder effektha-schend, aber interessant.

So entstand eine edle Wand, die die Architektur des ganzen Bereiches beherrscht ohne sie zu „erdrücken“. Der moderne Charakter der Räume wird nicht nur erhalten sondern gesteigert.

Die Kunden sind super glücklich mit Ihrer Wand, die auch heute nach 7 Jahren immer noch ein echter Hingucker ist. Besonders freue ich mich über die Aussage des Kunden, dass er es bereut, nicht mehr Lehm im Haus eingesetzt zu haben. Ein besseres Lob kann ein Material nicht bekommen.

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Detailansicht der Yosima-Oberfläche.

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